2006-06-01 09:21:32
Die großen Player im Internet in Österreich...
In einem Interview in medianet
trifft Horst Pirker, Vorstand der Styria Medien AG, sehr gute und
treffende Einschätzungen, was "Das Match: Suchmaschine gegen die
Journalisten"
und die Internet- und Medienszene in Österreich betrifft. Vor allem in Hinblick auf das Fellner-Zeitungsprojekt Österreich-Zeitung und dessen Ambitionen im Internet.
Die großen Player im Internet in Österreich sind laut Styria-Chef Horst Pirker
"weder der
ORF noch Styria noch sonst wer, sondern Amazon, eBay, Google, Yahoo und
so weiter. Das ist die Herausforderung, der wir uns stellen müssen."
Pirker trifft weitsichtige Aussagen, die in dieser Prägnanz in Österreich einzigartig sind...
medianet: Beim Internetauftritt von Tageszeitungen ist manches zu verbessern. Erwarten Sie Innovatives von Wolfgang Fellner?
Horst Pirker: Wolfgang Fellner wird in wenigen Monaten nicht nur der
Erfinder der Tageszeitung sein, sondern auch der Erfinder des Internet.
Davon können wir einmal ausgehen. In Wahrheit erfindet er das Marketing
für die Tageszeitung neu, und ähnlich wird es in Bezug auf das Internet
sein. Die wesentlichen Entwicklungen sind längst da und in vielen
Häusern im Einsatz; es wird nur nicht professionell genug darüber
?geredet?.
medianet: Auch der Internet-Kuchen wird neu verteilt. Wir haben ORF,
den Standard, Styria und andere ? wenn jetzt ein dynamischer Anbieter
dazu kommt, wird die Konkurrenz stärker ...
Pirker: Die großen Player sind weder der ORF noch Styria noch sonst
wer, sondern Amazon, eBay, Google, Yahoo und so weiter. Das ist die
Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Da haben wir Österreicher
mit unserem kleinen Markt es sicher schwer.
medianet: Ich greife auf Google zu, wenn ich etwas suche. Aber wenn ich
aus Österreich neueste Informationen will oder Unterhaltung oder was
immer, wähle ich einen regionalen Anbieter und nicht Google ...
Pirker: Bei Google News können Sie auch jetzt schon, wenn auch noch in
einer ziemlich unintelligenten Form, österreichische Nachrichten
abrufen, weil diese über bestimmte Algorithmen zusammengeholt werden.
Die Zukunft von vielleicht fünf oder zehn Jahren wird viel
größere Veränderungen bringen. Die Auseinandersetzung wird im
Grunde zwischen Mensch und Maschine stattfinden, also zwischen
natürlicher und künstlicher Intelligenz.
Das Match ?Suchmaschine gegen Journalisten? ist schon eröffnet. Dieses
Match kann durchaus so ausgehen wie das zwischen Big Blue und dem
Schachweltmeister: Meistens unterliegt inzwischen der Weltmeister.
medianet: Damit sind auch die Zeitungsverleger, soweit sie sich
journalistisch verstehen, herausgefordert. Sie müssen sagen, wo die
Prioritäten liegen.
Pirker: Ich habe in den vergangenen Jahren viele tausend Seiten
internationaler Veröffentlichungen dazu studiert ? wissenschaftliche
und populäre Beiträge, Analysen, Marktstudien und so weiter, und ich
habe noch viel vor mir. Vor diesem Hintergrund sage ich Ihnen: Es ist
nicht einfach, zu einer Antwort zu kommen, wie man in dieser Zukunft
erfolgreich, vor allem nachhaltig, Medien machen kann. Das liegt nicht
einfach auf der Hand. Ob es der Herr Bronner, der Herr Pirker oder der
Herr Fellner im Internet ein kleines Stück besser macht, ist vielleicht
interessant für die österreichische Gegenwart, aber die Frage ist, ob
wir alle zusammen es schaffen, in dieser neuen Welt der künstlichen
Intelligenz noch eine eigene Wertschöpfung zu Stande zu bringen. Der
Wert journalistischer Arbeit ist in den letzten zehn Jahren durch
diverse Entwicklungen, zu denen auch der Einfluss von Ökonomisierung
und Marketing gehört, sowieso gesunken. Düstere Aussichten! Jetzt kommt
zur Ökonomie noch der Angriff der Technologie.
medianet: Und trifft auf einen bereits geschwächten Journalismus ...
Pirker: Eben, umso schlimmer. Jetzt könnten wir noch sagen: Was hat die
regionale Kompetenz einer Zeitung mit Google zu tun? Aber wenn in Baden
ein schwerer Autounfall passiert, macht die Feuerwehr schon heute mit
großer Wahrscheinlichkeit ein Video dazu, zumindest aber Fotos. Und
weil öffentliche Mittel im Spiel sind, wollen sie das Material zum
Beweis ihres Beitrags zum Gemeinwesen auf ihre Homepage stellen, sehr
bald auch noch ?mobil?, und damit ist das Ganze sofort ?auf der Welt?
und dem Zugriff der Suchmaschinen ausgesetzt.
Wenn ich nun mein ?Profil? eingebe, also woran ich interessiert bin ?
in Baden an Tagesereignissen, an Sport, an Kultur ? wird sich die
Maschine die Bilder herausfischen und mir präsentieren. Dann braucht es
nur noch einen Webblogger, der von Autotechnik und/oder Verkehr etwas
versteht, der auf diesem begrenzten Feld vermutlich mehr Kompetenz hat
als ein Journalist und jetzt ?aus dem Stegreif? eine Expertise abgibt.
Danach fährt auch da eine intelligente Software darüber, und schon
haben Sie einen Bericht samt Videostreams und den entsprechenden Links
fertig. Viel an Technologie fehlt uns dazu nicht. Was ich versuche,
ist, ein Szenario für die Zukunft der Medien der Zukunft zu entwickeln
und herauszufinden, wie vor diesem ?Bühnenbild? unsere Rolle aussehen
könnte, damit das Publikum es noch wert findet, das ?Eintrittsgeld? für
uns zu bezahlen und sich nicht mit den Ergebnissen der Maschine
zufrieden gibt. (Interview: Engelbert Washietl, medianet, 1.6.2006)
Man kann also gespannt sein, was die neue Österreich-Zeitung des Wolfgang Fellner wohl im Internet zu bieten hat...www.oe24.at