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2007-10-12 07:12:55
Die neue Medien-Welt
Zeichen der Zeit: am 19. September hat die New York Times ihre Strategie zur Monetarisierung ihres Internetauftritts geändert und kehrt zur vollständigen Werbefinanzierung zurück. Der bislang kostenpflichtige Content-Zugang wird aufgegeben, auch der Zugang zum Archiv wird kostenlos. Die New York Times will so mehr Leser für ihr Onlineangebot gewinnen, um die Online-Werbeeinnahmen zu steigern. Denn je mehr Zugriffe eine Website hat, desto mehr Werbung kann verkauft werden. Die "NYT" war eine der letzten US-Medien, die ihren Onlineauftritt nicht überwiegend durch Werbe-Vermarktung finanziert hat. Auch beim "Wall Street Journal", das seit der Übernahme des Mutterkonzerns Dow Jones im August dem Medien-Tycoon Rupert Murdoch gehört, sind die meisten Inhalte derzeit noch kostenpflichtig. "Ich überlege mir ernsthaft, ob die Website ihr Konzept nicht ändern sollte", hatte jedoch auch Murdoch bereits bei seiner Übernahme von Dow Jones angekündigt.
Dies bestätigt die Erkenntnisse aus der US-Studie "The User Revolution" (deren wichtigste Ergebnisse ich in der September-Ausgabe skizziert habe): "Content gegen Bezahlung hat keine Chance. Für die redaktionelle Bereitstellung von Inhalten gelten neue Regeln, die letztendlich der Konsument bestimmt." Der Konsument wählt aus, wo, von wem und wann er welchen Content beziehen will und akzeptiert die Werbe-Finanzierung der Inhalte, solange die Werbung seinen Medienkonsum nicht stört und im Idealfall seinen Interessen entspricht. Die Studie der Investmentbank Piper Jaffray geht soweit, von einer "New Media World in The New Regime" zu sprechen. Das "Regime" führt dabei der Medien-Konsument, der durch sein Verhalten bestimmt, wohin die Reise geht. Medien-Unternehmen, die es dem Konsumenten ermöglichen, schnell, einfach, intuitiv und individuell seine gewünschten Inhalte (sein "Programm") zu wählen, gehört die Zukunft. Dies natürlich kostenlos, denn jede Art der Finanzierung über bezahlten Content ("Gebühren") zeugt von der mangelnden Fähigkeit eines Medien-Unternehmens, die "Zeichen der Zeit" zu deuten und sein Angebot intelligent zu vermarkten.
Nach den Erkenntnissen der Piper Jaffray-Studie befinden wir uns ohnehin schon am Beginn der "Post Revolution Era": 2007 ist durch die massive Verbreitung von Video-Content im Internet geprägt, allein Marktführer YouTube verzeichnet User-Zuwächse von über 20 Prozent pro Monat. Die Studienautoren nennen diese Phänomen auch "The Video Explosion", denn dramatischere Zuwächse im Medien-Konsum hat es bislang noch nicht gegeben. Wer ist betroffen bzw. von wem wandert das "Zeitbudget" weg? Im Internet sind es text-basierende Angebote und Portale, denen die User abhanden kommen. Und bei den klassischen Medien ist die Nutzung ohnehin rückläufig. Und wo werden wir dann fernsehen? It´s the Internet, stupid. Mehr dazu auch unter: Die neue Werbe-Welt im Zeichen von Google & Co
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