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2006-01-13 07:34:46
Bericht in der Financial Times Deutschland zum Thema Click-Fraud
Betrüger entwerten Onlineanzeigen
(FTD vom 12.01.2006) Angesichts des rasanten Wachstums bei
Internetwerbung verlangen die Auftraggeber zunehmend Belege, dass sich
ihre Produkte oder Dienstleistungen durch Anzeigen im Web auch
tatsächlich besser verkaufen. Unternehmen investieren mittlerweile
Milliardenbeträge in die Schaltung von Werbelinks, etwa auf den
Webseiten von Suchmaschinen. Das Geschäft läuft so gut, dass die
Investmentbank Goldman Sachs kürzlich ihre Prognose angehoben hat: Die
Analysten erwarten für 2006 im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung
der Ausgaben für Internetwerbung um 32 Prozent auf 16,6 Mrd. $.
Ursprünglich hatten sie ein Plus von 21 Prozent prognostiziert.
Mit den genaueren Analysen des Verhaltens der Internetnutzer, die die
Werbekunden fordern, könnten auch so genannte Klickbetrüger künftig
leichter aufgespürt werden. Als Klickbetrug wird der Versuch
bezeichnet, durch häufiges Anklicken von Werbelinks die Ausgaben von
Konkurrenten in die Höhe zu treiben. Denn für jeden Klick auf eine
Internetanzeige wird dem Werbetreibenden ein Betrag abgebucht. Dieser
kann von wenigen Cent bis zu mehreren Euro reichen. Pay per Click (PPC)
heißt dieses Preismodell in der Branche.
Werden die Schritte von Surfern mit Hilfe von Analysesoftware im Netz
verfolgt, fallen Klicks in betrügerischer Absicht, die von speziellen
Computerprogrammen ausgeführt werden, oft auf.
Bedrohliches Szenario für Yahoo oder Google
"Der fragwürdige Traffic findet vor allem auf Suchmaschinen statt",
sagte Wolfhart Fröhlich, Deutschland-Chef des Internetvermarkters Miva.
Dort werden so genannte Sponsored Links oder Sponsored Sites aufgeführt
- bezahlte Internetlinks, die neben den Suchergebnissen stehen.
Möglichkeiten des Betrugs bieten sich auch bei den Diensten Adsense von
Google und Content Match von Overture. Die Programme bestücken
Internetseiten automatisch mit passenden Anzeigen.
Werbung im Netz hat nicht zuletzt deshalb so stark zugenommen, weil
ihre Wirkung genauer messbar scheint als die konventioneller Anzeigen
in Zeitungen oder Zeitschriften. Unkontrollierter Missbrauch könnte der
Begeisterung jedoch rasch ein Ende bereiten - für Internetunternehmen
wie Yahoo oder Google ein bedrohliches Szenario. Der führende
Suchmaschinenbetreiber Google erzielt mit bezahlten Links fast seine
gesamten Einkünfte. Bei Yahoo erwarten die Goldman-Sachs-Analysten,
dass von dem prognostizierten Umsatz von 3,7 Mrd. $ im vergangenen Jahr
rund die Hälfte mit PPC erwirtschaftet worden ist.
Geschäftsmodell gefährdet
Die Onlinebranche nimmt das Thema Klickbetrug daher sehr ernst. "Ich
denke, dass dagegen sehr schnell etwas getan werden muss. Sonst könnte
unser Geschäftsmodell gefährdet sein", sagte Google-Finanzchef George
Reyes schon vor einem Jahr.
"Wir haben Schutzsysteme, die den Betrug verhindern", erklärte ein
Sprecher von Google Deutschland. Zu den genauen Sicherheitsmaßnahmen
äußern sich die Firmen nicht, um Betrügern keine Hinweise zu liefern.
Gelegentlich erstatten sie Anzeigenkunden ihr Geld, wenn Klickbetrug
vorzuliegen scheint.
Zum Ausmaß der betrügerischen Klicks machen Firmen wie Google oder
Yahoo keine Angaben, wohl auch, um das Thema nicht allzu sehr
hochkochen zu lassen. Anbieter von Schutzprogrammen gegen Klickbetrug
malen dagegen Schreckensszenarien: "Bei Google Adsense und Content
Match von Overture haben wir zwischen 12 und 18 Prozent gemessen",
sagte Christian Bennefeld, Geschäftsführer von Etracker zu dem Anteil
auffälliger Klicks auf Internetanzeigen. Dagegen schätzt Harald
Fortmann, Geschäftsführer des Werbevermarkters 24/7 Real Media
Deutschland: "Über die Gesamtzahl unserer Kunden rechnen wir mit drei
Prozent bis vier Prozent."
Quelle: FTD vom 12.01.2006
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