2006-01-14 15:28:06
Die heimliche Macht der Foren und Webblogs
Frühwarnsystem für Unternehmen durch analytische Auswertungen von
Diskussionen im Internet: Immer mehr Unternehmen lassen Forenbeiträge
und Webblogs auswerten -
als Frühwarnsystem bei Kundenunzufriedenheiten oder Produktfehlern.
Denn nirgendwo werden Erfahrungen und Meinungen über Produkte und
Marken so schnell ausgetauscht wie im Internet von User zu User. Damit
Firmen nicht erst von sich abzeichnenden Krisen erfahren, wenn der gute
Ruf vielleicht schon gelitten hat, werten spezielle Softwaretools und
Datamining-Dienste die Internetdiskussionen aus. Softwaretools und
Datamining-Dienste werten Pressemeldungen, Blog- und Forenbeiträge aus,
um Unternehmen frühzeitig auf schwierige Themen vorzubereiten. Denn das
über Jahre aufgebaute Image einer Firma ist viel wert. Wenn die
Firmenpolitik oder die Produktqualität unter Beschuss geraten, kann
dies rasch zum Manageralbtraum werden.
Über Foren und Weblogs verbreiten sich schlechte Nachrichten wie ein
Lauffeuer - und immer öfter greifen konventionelle Medien in ihrer
Berichterstattung auf Blogbeiträge zurück. "Herkömmliche
Kriseninterventionsmechanismen der Unternehmenskommunikation
funktionieren bei Webblogs nicht mehr", meint Peter Knopp, der als
Kommunikationsprofi bei Symantec Deutschland arbeitet.
Bislang durchkämmten PR- und Marketingteams das Netz mit der Hilfe von
Suchmaschinen nach ersten Krisenzeichen. Alan Scott, Chief Marketing
Officer von Factiva, sagt: "Allein schon die unglaubliche Menge an
Informationen, die Führungskräften täglich zur Verfügung steht, macht
es unmöglich diese zu lesen und deren Einfluss zu analysieren."
Nun kommen die ersten Tools auf den Markt, die das Netz automatisch
überwachen. So stellte der Computerriese IBM kürzlich einen Service
namens "Public Image Monitoring Solution" vor. Er durchsucht Blogs, auf
dem Internet basierenden Diskussionsforen und Online-News-Dienste nach
allen Informationen, die für ein Unternehmen relevant sein können. Denn
kritische Blogbeiträge können für Kommunikationsprofis in Unternehmen
und Behörden erste Warnzeichen für ein bislang übersehenes Problem sein.
Getestet wird die IBM-Software derzeit mit dem Finanzdienstleister
Morgan Stanley. Er will damit seine Analysten unterstützen und das
Image einiger Unternehmen beobachten. IBM verwendet dafür eine
Software, die bislang dafür genutzt wurde, um Unternehmensnetze zu
durchsuchen und zu indizieren. Ergänzt wird sie mit einer von Nstein
Technologies stammenden Anwendung für die mehrsprachige Textanalyse.
Sie filtert Metadaten aus Texten. In Kombination erlaubt das Produkt
es, aktuelle Diskussionsthemen zu identifizieren. Es soll aber auch
Dis- kursanalysen vornehmen können, indem es Fakten von Meinungen
trennt oder Ursache und Wirkung feststellt.
In die IBM-Lösung lassen sich außerdem Inhalte des
Pressedatenbank-Anbieters Factiva integrieren. Factiva selbst aber
wirbt schon seit knapp einem Jahr für seinen eigenen, etwas
aufwändigeren Dienst "Factiva Insight Reputation Intelligence".
Factiva-Manager Alan Scott erklärt: "Der Dienst ermöglicht es,
Millionen von Seiten zu sichten und potenzielle Gefahren darzustellen
oder verborgene Chancen zu entdecken. Diese Fähigkeit bietet
Organisationen einen enormen Wettbewerbsvorteil." Der Service
analysiert, wie eine Community Marken, Produkte oder Ereignisse
diskutiert. (VDI nachrichten, 13.1.2006)