2005-11-24 18:06:55
Google Base: Frontalangriff auf Amazon und ebay?
Seit kurzem ist das, worüber Mitte Oktober spekuliert wurde, real:
Google-Base, das "Kleinanzeigenportal" von Google. Ist Google Base die
neue Revolution im Internet?
Google-Base ist ein neues
Google-Service, das die User dazu bewegen soll, Google selbst mit
Informationen zu versorgen. Statt selbst den Google-Bot durchs
Web zu schicken, sollen die Inhalte künftig von selbst zur Suchmaschine
kommen.
Google Base durchbricht das Muster, das sich aus den jüngsten Services
von Google ergab. Es ist kein leicht verständlicher Informationsdienst
wie Google Maps oder Gmail. Es geht darum, dass die Firma alle
Informationen aufnehmen möchte, die die User mit ihr teilen. Im
Gegensatz zu den Google Maps, Gmail & Co., die ihre Konkurrenten
klar schlugen, wirkt Google Base zumindest aus Nutzersicht eher wie
eine Lösung, die noch nach einem Problem sucht. Dementsprechend dürften
sie auch anders auf Google Base reagieren als auf die bisherigen
Google-Angebote.
Die Arbeitsweise von Google Base, am 16. November gestartet, ist
einfach: Jeder registrierte Google-Benutzer kann jede Art von
Informationen auf die Server der Suchmaschine hochladen. Sie werden
dann für andere Benutzer innerhalb von Google Base durchsuchbar
gemacht. Egal ob es nun Fotos, Rezepte, eine Anzeige für einen
Gebrauchtwagen oder eine Doktorarbeit ist - alles, was man für andere
Menschen auffindbar machen will, lässt sich bei Google Base einstellen.
Zusätzlich lassen sich jedem hochgeladenen Inhalt so genannte Attribute
zuweisen -- dieses Feature nutzt den aktuellen US-Web-Hype zum Thema
"Tagging", also der Markierung von Inhalten mit Hilfe von
Schlüsselbegriffen. Mit Hilfe der Tags (oder, bei Google, Attributen)
können die Nutzer ihre Information katalogisieren statt auf komplexe
Suchmaschinentechnik oder Schlüsselbegriff-basierte Anzeigen zu
vertrauen, um die Relevanz einer Seite zu bestimmen. Eines der
Attribute kann auch die ISBN-Nummer von Büchern sein, also ein Revier,
das bisher von Amazon dominiert wird.
Grundsätzlich verlässt sich Google dabei auf seine Nutzer - sie werden
zu Gatekeepers, die letztlich bestimmen, wie man diese Daten auffinden
können wird. Dieser Ansatz ist eine Abkehr von der bisherigen
Google-Strategie, automatisierte Suchalgorithmen nahezu alles erledigen
zu lassen. Der Google-Base-Ansatz erinnert an das alte Modell von
Yahoo, bei dem ein Team von Redakteuren interessante Internet-Adressen
von Nutzern zugeschickt bekamen, die dann klassifiziert wurden. "Mit
dem Tagging können Google-Base-Nutzer nicht nur Informationen online
stellen und der Welt präsentieren, sondern sie auch flüssig
organisieren", meint David Weinberger, Autor von "Small Pieces Loosely
Joined: A Unified Theory of The Web". Es sei eine Infrastruktur, die
die Leute leicht benutzen könnten.
Worum geht es Google überhaupt? Die Homepage der Suchmaschine zeigt
sich nach wie vor in ihrer berühmten Zen-mäßigen Strenge, doch hinter
den Kulissen wird ein komplexes Netzwerk an Funktionen zusammengebaut,
das mehr und mehr Nutzer bringen soll -- und damit noch höhere
Werbeumsätze.
Bislang funktioniert das sehr gut: Googles Aktie stieg auf über 400
Dollar. Und trotzdem steht Google Base ein harter Kampf bevor, weil
hier Dienste angeboten werden, die es anderswo schon gibt. Sites wie
Flickr, YouTube, eBay, Craigslist, MySpace oder Ourmedia lassen die
Benutzerschaft längst Inhalte hochladen und einige erlauben es bereits,
Tagging zu verwenden.
Bislang sind die Spekulationen diverser Medien, Google Base sei der
Todesstoß für Angebote wie die Auktionsseite eBay oder den vor allem in
den USA populären Anzeigenmarkt Craigslist, für außerordentlich
verfrüht. Zwar mag es sein, dass einige Aspekte des Dienstes sich
definitiv an Anzeigenmärkten orientieren -- so verschwinden Seiten
automatisch nach 31 Tagen, sollte man es nicht explizit anders
einstellen. Aber Verkäufer brauchen einen großen Marktplatz an Käufern,
die es bei Google Base bislang noch nicht gibt.
"Wir sehen Google Base nicht als Konkurrenten", meint denn auch
Craigslist-CEO Jim Buckmaster. Die Philosophie seines Dienstes, sich
als öffentliches Angebot zu verstehen, sorge dafür, dass man sich um
Wettbewerber keine Gedanken machen müsse. Wirklich interessant wird es
für Google Base, sobald die Inhalte auch über Googles Hauptsuche
erreichbar sind. Firmensprecher Nathan Tyler sagt, dass das passieren
wird, auch wenn man noch keine entsprechenden Pläne bekannt zu geben
habe. Einfach wird das allerdings nicht: Laut Tyler nutzt Google Base
ein völlig anderes Ranking-System als Googles über google.com
erreichbare Hauptsuche.