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2005-11-24 18:06:55   AddThis Social Bookmark Button AddThis Feed Button
Christoph Pichler
Christoph Pichler

Google Base: Frontalangriff auf Amazon und ebay?

Seit kurzem ist das, worüber Mitte Oktober spekuliert wurde, real: Google-Base, das "Kleinanzeigenportal" von Google. Ist Google Base die neue Revolution im Internet?
Google-Base ist ein neues Google-Service,  das die User dazu bewegen soll, Google selbst mit Informationen zu versorgen. Statt selbst den Google-Bot durchs Web zu schicken, sollen die Inhalte künftig von selbst zur Suchmaschine kommen.
Google Base durchbricht das Muster, das sich aus den jüngsten Services von Google ergab. Es ist kein leicht verständlicher Informationsdienst wie Google Maps oder Gmail. Es geht darum, dass die Firma alle Informationen aufnehmen möchte, die die User mit ihr teilen. Im Gegensatz zu den Google Maps, Gmail & Co., die ihre Konkurrenten klar schlugen, wirkt Google Base zumindest aus Nutzersicht eher wie eine Lösung, die noch nach einem Problem sucht. Dementsprechend dürften sie auch anders auf Google Base reagieren als auf die bisherigen Google-Angebote.
Die Arbeitsweise von Google Base, am 16. November gestartet, ist einfach: Jeder registrierte Google-Benutzer kann jede Art von Informationen auf die Server der Suchmaschine hochladen. Sie werden dann für andere Benutzer innerhalb von Google Base durchsuchbar gemacht. Egal ob es nun Fotos, Rezepte, eine Anzeige für einen Gebrauchtwagen oder eine Doktorarbeit ist - alles, was man für andere Menschen auffindbar machen will, lässt sich bei Google Base einstellen.

Zusätzlich lassen sich jedem hochgeladenen Inhalt so genannte Attribute zuweisen -- dieses Feature nutzt den aktuellen US-Web-Hype zum Thema "Tagging", also der Markierung von Inhalten mit Hilfe von Schlüsselbegriffen. Mit Hilfe der Tags (oder, bei Google, Attributen) können die Nutzer ihre Information katalogisieren statt auf komplexe Suchmaschinentechnik oder Schlüsselbegriff-basierte Anzeigen zu vertrauen, um die Relevanz einer Seite zu bestimmen. Eines der Attribute kann auch die ISBN-Nummer von Büchern sein, also ein Revier, das bisher von Amazon dominiert wird.

Grundsätzlich verlässt sich Google dabei auf seine Nutzer - sie werden zu Gatekeepers, die letztlich bestimmen, wie man diese Daten auffinden können wird. Dieser Ansatz ist eine Abkehr von der bisherigen Google-Strategie, automatisierte Suchalgorithmen nahezu alles erledigen zu lassen. Der Google-Base-Ansatz erinnert an das alte Modell von Yahoo, bei dem ein Team von Redakteuren interessante Internet-Adressen von Nutzern zugeschickt bekamen, die dann klassifiziert wurden. "Mit dem Tagging können Google-Base-Nutzer nicht nur Informationen online stellen und der Welt präsentieren, sondern sie auch flüssig organisieren", meint David Weinberger, Autor von "Small Pieces Loosely Joined: A Unified Theory of The Web". Es sei eine Infrastruktur, die die Leute leicht benutzen könnten.

Worum geht es Google überhaupt? Die Homepage der Suchmaschine zeigt sich nach wie vor in ihrer berühmten Zen-mäßigen Strenge, doch hinter den Kulissen wird ein komplexes Netzwerk an Funktionen zusammengebaut, das mehr und mehr Nutzer bringen soll -- und damit noch höhere Werbeumsätze.
Bislang funktioniert das sehr gut: Googles Aktie stieg auf über 400 Dollar. Und trotzdem steht Google Base ein harter Kampf bevor, weil hier Dienste angeboten werden, die es anderswo schon gibt. Sites wie Flickr, YouTube, eBay, Craigslist, MySpace oder Ourmedia lassen die Benutzerschaft längst Inhalte hochladen und einige erlauben es bereits, Tagging zu verwenden.

Bislang sind die Spekulationen diverser Medien, Google Base sei der Todesstoß für Angebote wie die Auktionsseite eBay oder den vor allem in den USA populären Anzeigenmarkt Craigslist, für außerordentlich verfrüht. Zwar mag es sein, dass einige Aspekte des Dienstes sich definitiv an Anzeigenmärkten orientieren -- so verschwinden Seiten automatisch nach 31 Tagen, sollte man es nicht explizit anders einstellen. Aber Verkäufer brauchen einen großen Marktplatz an Käufern, die es bei Google Base bislang noch nicht gibt.
"Wir sehen Google Base nicht als Konkurrenten", meint denn auch Craigslist-CEO Jim Buckmaster. Die Philosophie seines Dienstes, sich als öffentliches Angebot zu verstehen, sorge dafür, dass man sich um Wettbewerber keine Gedanken machen müsse. Wirklich interessant wird es für Google Base, sobald die Inhalte auch über Googles Hauptsuche erreichbar sind. Firmensprecher Nathan Tyler sagt, dass das passieren wird, auch wenn man noch keine entsprechenden Pläne bekannt zu geben habe. Einfach wird das allerdings nicht: Laut Tyler nutzt Google Base ein völlig anderes Ranking-System als Googles über google.com erreichbare Hauptsuche.




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