|
 |
 |
2005-10-25 15:18:27
Google stößt in neue Werbemärkte vor
Google stößt in neue Werbemärkte vor
Google will sein rasantes Wachstum bald auch außerhalb des Internets
fortsetzen. Der Betreiber des weltweit meistgenutzten
Internetsuchportal prüft Investitionen in neue Werbemärkte.
Das ließ Vorstandschef Eric Schmidt am Rande der Präsentation der
Zahlen für das dritte Quartal durchblicken. Neben mehr Markenwerbung
sieht er "eine Menge Möglichkeiten für uns bei Offline-Medien". Gemeint
ist das Werbegeschäft in Printmedien und im Fernsehen. Bislang
vermarktet Google die Anzeigen seiner Werbekunden auf Partnerwebseiten.
Mit dem Vorstoß in neue Geschäftsfelder will Google offenbar einer
absehbaren Abschwächung im Kerngeschäft begegnen. Auch wenn die Aktie
momentan auf einem Rekordhoch steht, sollen die Finanzmärkte mit neuen
Wachstumsaussichten bei Laune gehalten werden.
"Wir verlegen uns auf den Ausbau des Printgeschäfts. Fernsehen verlangt
mehr Aufwand, ist aber definitiv auf unserer Liste", sagte Schmidt dem
"Wall Street Journal". Seine enorme Marktmacht im Internet nutzend,
bucht Google seit kurzem Werbeseiten in Technologiepublikationen wie
"PC Magazine" und verkauft sie nach Brancheninformationen für rund 1000
$ pro Viertelseite an seine Online-Werbekunden weiter. Das Unternehmen
gibt bislang keine Auskunft darüber, wie groß dieses Geschäft ist oder
welche Einnahmen daraus erwartet werden. In den Monaten Juli bis
September hat sich das Ergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf
381 Mio. $ (315 Mio. Euro) versiebenfacht. Der größte Beitrag stammt
aus dem Geschäft mit Textlinks, die auf meist kommerzielle Homepages
verweisen. Viele Nutzer kennen diese Art Links, weil sie regelmäßig in
der rechten Leiste der Oberfläche auftauchen, nachdem Google im
Zusammenhang mit einer Suchabfrage fündig geworden ist. Klickt der
Benutzer auf diesen Link, kassiert Google den Werbekunden dafür ab.
Serviceangebote locken Kunden
Dieses "Pay-per-Click" generiert den weitaus größten Anteil des
Konzernumsatzes. Analysten schätzen, dass Firmen pro Klick rund 50 Cent
bezahlen müssen. Der Umsatz des Konzerns hat sich im zurückliegenden
Berichtsquartal auf rund 1,58 Mrd. $ verdoppelt.
Google hat auch von anderen Serviceangeboten profitiert, darunter neue
Werbeträger wie Instant Messaging oder das E-Mail-Angebot Gmail. Doch
Googles Kernmarkt wird sich Experten zufolge bald abschwächen. Derzeit
sind Anzeigen, die an Suchabfragen gekoppelt sind, mit einem Anteil von
40 Prozent noch die dominierende Werbeform im Internet.
Die Wachstumsraten werden nach Meinung des Marktforschungsinstituts
Forrester Research jedoch bis 2008 auf gut zehn Prozent sinken. Google
bearbeitet mit seinen ausgeklügelten Serverzentren rund die Hälfte
aller Suchabfragen im Internet. Auf dem US-Markt beantwortet der
Anbieter sogar mehr Anfragen als alle Konkurrenten zusammen. Doch die
Wettbewerber Yahoo und Microsoft versuchen ihren Vertrieb von Werbung
ähnlich effektiv zu gestalten wie Google. Das Geschäft mit
Markenwerbung Microsoft hat deshalb kürzlich eine eigene Vermarktung
seiner Suchfunktion an Werbekunden gestartet. "Es ist eindeutig, dass
Google deshalb mittelfristig mehr anbieten möchte als nur Textlinks",
urteilt ein Branchenkenner. "Google verfügt über das Know-how, um die
neuen Pläne umzusetzen", schätzt David Bradshaw vom
Beratungsunternehmen Ovum.
"Wir bekommen immer mehr Werbung von den 500 größten US-Konzernen",
sagte Google-Chef Schmidt. Der bei Strategiefragen stets einsilbige
Manager deutete damit an, dass er das Geschäft mit Markenwerbung
ausbauen will. Dieser Markt verlagert sich derzeit deutlich aus den
klassischen Medien wie Print und Fernsehen ins Internet. Auf
Suchportalen wird Markenwerbung jedoch noch selten geschaltet. Ein
Grund dafür ist die meist aufwändigere Präsentation mit Grafiken und
Elementen wie Video- oder Audiopräsentationen. Als Werbeform haben
diese Anzeigen zwar erst acht Prozent Anteil an der Internetwerbung,
das Segment wächst aber schneller als alle anderen n Anzeigenformen im
Netz. Diese Art Annoncen spricht in der Regel einen Kundenkreis an, der
mit Werbung eine allgemeine Präsenz erreichen will.
Die bei Google traditionell dominierende Textlinkwerbung spricht
dagegen eher für das Direktmarketing. Google bietet seinen Werbekunden
jedoch bereits die Möglichkeit, grafisch anspruchsvolle Bannerwerbung
zu schalten.
(FTD, 24.10.2005)
|
|
 |
 |
![]()
|