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2008-02-04 19:41:08   AddThis Social Bookmark Button AddThis Feed Button
Christoph Pichler
Christoph Pichler

Microsoft kauft Yahoo! - warum es so kommen wird

Das 45-Milliarden-Dollar-Übernahmeangebot von Microsoft an Yahoo schlägt erwartungsgemäß hohe Wellen und sorgt für jede Menge Kommentare und Analysen.  Eine sehr gute Analyse, der ich mich in den meisten Punkten voll und ganz anschliessen kann (und ich sie deshalb hier gerne in voller Länge zitiere), liefert Kurier-Digital-Ressortleiter und Autor des Buches "Die Google Falle" Gerald Reischl in seinem Blog:

"Es ist ja nur ein Angebot von Microsoft, eine offizielle Ankündigung, aber dass Microsoft Yahoo! kauft, ist für mich so gut wie sicher. Wenn es anders kommen würde, wäre das nämlich eine vernichtende Niederlage für Microsoft.

10 Anmerkungen zu dem geplanten Yahoo-Microsoft-Deal:

1. Microsoft muss das Angebot noch erhöhen – zwar hat man ein Angebot gemacht, pro Aktie 31 Dollar bezahlen zu wollen, allerdings liegt das um ein Viertel unter dem Höchstwert. Die Yahoo!-Aktie stand einmal bei 120 Dollar – das war zwar im Jahr 2000, aber immerhin. MS muss das Angebot auf etwa 40 bis 50 Dollar erhöhen. Außerdem werden die Hauptaktionäre ein kräftiges Wörtchen mitreden, die endlich wieder Geld sehen wollen.

2. Dass der Deal, der diese Woche sogar im US-Kongress diskutiert wird, nicht genehmigt wird, halte ich für gänzlich unmöglich. Die FTC (Federal Trade Commission) wird den Kauf genehmigen – wohl auch deshalb, weil die FTC (am 20.12.2007) auch den DoubleClick-Google-Deal genehmigt hat. Das Antitrust-Verfahren gegen Google hatten übrigens Yahoo! und Microsoft angestrengt.

3. Die EU würde dem Kauf ebenfalls zustimmen, obgleich es kleine „Auflagen“ (die im Prinzip keine Rechtsgültigkeit haben) gibt. Vermutlich wird, ob des Datenschutzes, irgendein schwammiges „Ihr-dürft-die-Datenbanken-nicht-verknüpfen“-Gebot kommen.

4. Microsoft ist eine bürokratische Firma, ein wenig old fashioned. Sie brauchen dringend frischen Wind. Da man diesen konzernintern aber nicht unbedingt spürt – man denke nur an die Bill-Gates-Nachfolger, die ja auch nicht unbedingt einen hippen Eindruck erwecken, muss man den Coolness-Faktor dazukaufen. Obgleich hier zwei Firmenkulturen aufeinandertreffen, die ziemlich unterschiedlich sind. Hoffentlich setzt sich jene von Yahoo! durch.

5. Google braucht endlich eine Herausforderung. Ob es Microsoft-Yahoo schafft, die Dominanz Googles zu brechen, bleibt dahin gestellt, aber der schärfere Gegenwind schadet nicht. Google-Anwalt David Drummond hat in einer ersten Stellungnahme gemeint, dass diese feindliche Übernahme den Grundprinzipien des Internet „openness and innovation“ widerspreche – das ich nicht lache. Google sollte vor seiner eigenen Tür kehren, denn immerhin haben sie einst das Patent von Yahoo!-Tochter Overture gestohlen…

6. Ob Googles Dominanz am Suchsektor gebrochen werden kann, bezweifle ich. 90 Prozent (in der EU) oder 60 Prozent weltweit werden auch durch eine Live-Yahoo-Search nicht gebrochen werden. Nur weil sich zwei Suchschlitze in einen verwandeln? Microsoft müsste etwas komplett Neues bieten.

7. “Wir waren die Ersten, die den Microsoft Instant Messenger in den Yahoo! Instant Messenger integriert haben“, sagte mir Yahoo!-Chef Jerry Yang bei der CES Anfang Jänner. „weil wir der Meinung sind, dass man offene Systeme haben muss. Denn unser Leben ist offener, ist sozialer und es ist mobiler geworden.“ Yahoo! kann bereits mit Microsoft.

8. Microsoft waren die 1,5 Prozent Anteile an Facebook 240 Millionen Dollar wert. Die Social Network-Plattform Facebook hat 63 Millionen Nutzer und 250.000 neue Mitglieder pro Tag, Yahoo! hatte – wie ich bereits vor einigen Tagen hier geschrieben habe – 484 Millionen Besucher weltweit – bei Facebook waren es „nur“ knapp 98 Millionen. Unterm Strich: Yahoo ist mindestens viermal so viel wert, also müsste MS 60 bis 70 Milliarden Dollar zahlen (können).

9. Ich hoffe, dass Microsoft nicht mit Gewalt Dienste wie Flickr oder del.icio.us auf MS trimmt und etwa an Vista anpasst ;-)

10. Conclusio: Googles Dominanz wird aber auch ein Microsoft-Yahoo!-Zusammenschluss nicht brechen können. IBM war nicht das Ende, Microsoft war nicht das Ende und Google wird es auch nicht sein. Eine neue Firma wird Googles Erbe antreten. Wann? Gute Frage. Welche? Vielleicht gibt es das StartUp schon. Allerdings besteht die Gefahr, dass es von einem der Großen aufgekauft wird."

Tipp: Gerald Reischls neues Buch "Die Google Falle" soll im April erscheinen!









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