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2006-01-22 22:35:26
Deutschland: Online-Werbung schafft den Durchbruch
FAZ 22.1.2006: Die Online-Werbung hat im vergangenen Jahr alle
Erwartungen übertroffen. „Wir werden unsere Schätzung für die
klassische Online-Werbung nach oben korrigieren”, sagt Bernd Henning
vom Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW).
Auch das Suchmaschinen-Marketing ist nach Schätzung von Branchenkennern
erheblich schneller gewachsen als gedacht. Nach ersten Berechnungen ist
der gesamte Online-Werbemarkt im vergangenen Jahr um etwa 47 Prozent
auf rund 815 Millionen Euro geklettert. Noch im Sommer hatte der BVDW
den Umsatz nur auf 750 Millionen Euro geschätzt.
Gute Geschäfte im dritten und vierten Quartal haben der Branche einen
unerwarteten Schub gegeben. Werden außerdem die rund 200 Millionen Euro
Umsatz mitgezählt, die Unternehmen wie Mobile.de, die Scout-Gruppe oder
Monster im Geschäft mit rubrizierten Kleinanzeigen im Netz erzielt
haben, hat der Online-Werbemarkt im vergangenen Jahr erstmals die
Schwelle von einer Milliarde Euro überschritten.
Große Unternehmen vereinen Löwenanteil
Der größte Anteil entfällt auf die klassische Online-Werbung mit
Bannern oder Markenkampagnen. Dieser Markt ist nach Messung von Nielsen
Media Research im vergangenen Jahr um 33 Prozent gestiegen. Da Nielsen
aber nur einen Teil des Marktsegmentes erfaßt, lassen sich die Umsätze
auf brutto rund 515 Millionen Euro Umsatz hochrechnen.
Den Löwenanteil des Marktes vereinen die großen Internetunternehmen wie
United Internet, T-Online, AOL oder Yahoo auf sich. Dagegen soll der
Fernsehsender RTL wenig von der guten Online-Konjunktur profitiert
haben, heißt es in der Branche.
Wachstumstreiber ist das Suchmaschinen-Marketing gewesen. Unternehmen
haben für die kleinen Werbelinks auf den Trefferlisten der
Suchmaschinen rund 200 Millionen Euro ausgegeben, wird geschätzt. Das
entspricht fast einer Verdopplung des Marktes, den sich im wesentlichen
Google und die Yahoo-Tochtergesellschaft Overture teilen.
Attraktive Werbeplätze werden knapp
Der BVDW hatte nur mit etwa 50 Prozent Zuwachs gerechnet. Da die
Nachfrage der Unternehmen nach dieser Werbeform sehr groß war, sind die
Preise in der zweiten Jahreshälfte deutlich gestiegen. Neben der
klassischen Werbung und den Suchmaschinen haben Partnerprogramme
(Affiliates) gut 100 Millionen Euro Umsatz beigesteuert.
Die Online-Werber sind auch für das Jahr 2006 optimistisch.
„Unternehmen, die bisher wenig im Netz geworben haben, schichten ihre
Werbebudgets zur Zeit signifikant um”, sagt Arndt Groth,
Geschäftsführer der T-Online-Gesellschaft Interactive Media. Neue
Techniken, mit denen sich die Streuverluste im Netz noch einmal
reduzieren lassen, werden im zweiten Halbjahr große Werbekampagnen ins
Internet ziehen, erwartet Groth.
Inzwischen werden die attraktiven Werbeplätze im Netz knapp: „Einige
Positionen wie unsere Homepage waren im vierten Quartal völlig
ausgebucht. Wir hätten die doppelte Menge verkaufen können”, sagt
Martina Bruder vom Internet-Portal Yahoo. Die starke Nachfrage wirkt
sich auf die Preise aus.
Steigend Reichweite als Grund für Wachstum
„Die Brutto-Netto-Schere wird kleiner. Wir haben unsere Rabatte im
vergangenen Jahr um 6 Prozent gesenkt. Weitere 3 bis 5 Prozent sind bei
AOL in diesem Jahr zu erwarten”, sagt Torsten Ahlers vom Online-Dienst
AOL.
Ein Grund für das Wachstum ist die steigende Reichweite: Rund zwei
Drittel der Bevölkerung sind inzwischen online. „Die
Markenartikelunternehmen goutieren, daß das Internet erstmals eine so
große Reichweite wie das Fernsehen hat”, sagt Matthias Ehrlich von
United Internet Media, dessen Seiten Web.de und Gmx.de im Werbegeschäft
Umsatzsprünge von mehr als 50 Prozent erzielt haben. Er erwartet einen
Strukturwandel im Markt: Das Netz soll weniger für den direkten
Produktverkauf und mehr für die Markenbildung eingesetzt werden.
„Das Branding rückt in den Gesprächen klar in den Vordergrund. Für die
Unternehmen ist der Effekt der Werbung im Internet auf ihre
Offline-Verkäufe wichtig geworden”, sagt auch Bruder. Da mehr als zehn
Millionen Haushalte einen Breitbandanschluß haben, können auch
aufwendige Werbeformen eingesetzt werden. Viele Werbespots werden daher
in mehreren Versionen für Fernsehen, Kino und Internet produziert.
Suchmaschinen sind die Einsteigsdroge
„Wir wollen den Nutzer motivieren, sich seine Werbebotschaft selbst zu
holen, wenn ihn der Inhalt interessiert. Das funktioniert: In Amerika
haben sich sehr viele Menschen einen acht Minuten langen Werbefilm von
Pepsi mit Britney Spears im Netz angeschaut”, sagt Ahlers. Breitband
entwickele sich auf diese Weise zur Gefahr für die Fernsehwerbung:
„Solange dem Fernsehen die Rückkanalfähigkeit fehlt, werden die
Werbebudgets in andere Medien umgeschichtet”, erwartet Ahlers.
Immer mehr Branchen nutzen die Suchmaschinen, um ihre Produkte im Netz
zu verkaufen oder direkte Kundenkontakte zu generieren. „Die
klassischen Branchen wie Automobil, Finanzen oder Telekommunikation
haben zugelegt, aber die Werbung der Pharmaunternehmen ist am stärksten
gestiegen”, sagt Isabell Wagner von Overture.
Das Unternehmen soll noch im ersten Quartal in Yahoo Search Marketing
umbenannt werden. Neue Techniken treiben das Wachstum in diesem Markt.
„Bietmanagementprogramme steuern anhand von Vorgaben automatisch,
wieviel Geld für die Kundengewinnung ausgegeben wird”, sagt Wagner. Die
klassischen Online-Werber freuen sich über den Erfolg von Google und
Yahoo. „Suchmaschinen sind die Einstiegsdroge in die Online-Werbung”,
sagt Ehrlich.
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