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2007-02-19 20:10:34   AddThis Social Bookmark Button AddThis Feed Button
Christoph Pichler
Christoph Pichler

Second-Life: Schon wieder ein neuer Internet-Hype?

In der virtuellen Parallel-Welt von Second Life tummeln sich Millionen von Surfern, einige sind dadurch bereits zu echten Millionären geworden. Und viele Unternehmen testen nun die Möglichkeiten für neue Geschäftsmodelle im 3D-Business ab.

Spiegel-Coverstory über Second Life
Passend zum Faschingsausklang widmet "Der Spiegel" seine aktuelle Coverstory mit "Der digitale Maskenball" dem Treiben in der virtuellen Welt von "Second Life".

Und das aus mehr als aktuellem Anlass: Mehr als 4 Millionen User haben sich bereits ein zweites, virtuelles Leben in Second Life als "Avatar" zugelegt, rund 25.000 digitale Larven tummeln sich im Schnitt gleichzeitig in der Pixelwelt, die 2003 vom Physiker Philip Rosedale gegründet wurde und von seiner Firma Linden Lab betrieben wird.
Bis Anfang 2006 war Second Life im Internet mit nicht einmal 100.000 Teilnehmern eher ein kleiner Nebenschauplatz, ganz im Schatten von "World of Warcraft", dem erfolgreichsten Internet-Rollenspiel mit derzeit 8 Millionen Online-Spielern. Seitdem aber bei der Second Life-Registrierung keine Kreditkartendaten mehr angegeben werden müssen, ist in der Parallel-Welt ein unbeschreiblicher Boom ausgebrochen.
Laut Linden Lab werden bereits über eine Million Dollar pro Tag durch Transaktionen in Second Life umgesetzt, "Land-Lords" werden mit Grundstücks-Spekulationen reich und nach Schätzungen haben bereits etwa 15.000 Unternehmen in Second Life ihre virtuellen Firmen-Präsenzen.

BMW, Mercedes, IBM im Second Life
So sind von den Automobilherstellern u.a. bereits BMW, Mercedes, Nissan oder Toyota mit 3D-Verkaufsräumen und Testfahrzeugen unterwegs und IBM hat sich gerade 24 "Second Life-Inseln" zugelegt, um beim Wettrennen um die Vorherrschaft in der neuen Welt mit dabei zu sein.
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Wie funktioniert nun das "Leben" in Second Life?
Die Second Life-Registrierung ist kostenlos, nach Namens- und Avatar-Auswahl und Download der Second Life-Software kanns losgehen. Aber nur, wenn man über einen schnellen Internet-Zugang verfügt und eine halbwegs leistungsfähige Grafikkarte im PC steckt. Ausgerüstet mit 270 LDs (Linden Dollars), die etwa einem US-Dollar entsprechen, kann man sich nun an die ersten Schritte machen. Man sollte dafür aber viel Zeit haben, denn die Orientierung im Second Life ist anfangs nicht einfach. Und es gilt, den eigenen Avatar mal aufzumotzen, denn wer will schon als langweiliger Otto-Normal-Avatar herumlaufen? Ein gutes Styling kostet dann schon ein paar LDs. Wenn die aber ausgegangen sind, muss man sich per Kreditkarte mit mehr Avatar-Taschengeld versorgen oder gleich mal auf einen Premium-Account umsatteln, mit dem man dann auch Land im Second Life kaufen kann. Das kann dann schon mit rund 2000 US-Dollar zuzüglich monatlicher Betriebskosten zu Buche schlagen.
Wer sich auf den erworbenen Latifundien ein hübsches Anwesen konstruieren will, ist gut beraten, dafür einen fähigen Second-Life-Dienstleister zu Rate zu ziehen.
 
Marketing im Second Life: Second Life-Agenturen boomen
In der realen Welt boomen deshalb nun Agenturen, die vor allem Unternehmen den Weg ins neue Cyber-Universum bahnen helfen: die "Electric Sheep Company" und "Millions of Us" sind hier die grossen US-Anbieter, aber auch in Österreich wurden unlängst "Second-Life-Agenturen" gegründet. Abhängig von den Features werden zwischen 20.000 und 400.000 Dollar in die virtuellen Niederlassungen investiert.

Immobilien-Handel in Second  Life

Als Privatperson wird man eher auf ein fertiges Anwesen zurückgreifen, das von virtuellen Immobilienentwicklern verkauft wird. Die in Deutschland lebende Chinesin Ailin Gräf brachte es in Second Life als "Anshe Chung" zu einem Vermögen und 2006 sogar auf das Cover von Business Week. Früh erwarb Chung/Gräf einige Grundstücke und programmierte daraus spezielle Wohnviertel für Franzosen, Deutsche oder Japaner. Das Geschäft lief so gut, dass Gräf im chinesischen Wuhan eine Firma mit 20 Angestellten gründete, die jetzt ihr virtuelles Business vorantreiben. Mit dem Ziel, Shopping-Flächen in virtuellen Malls zu verkaufen.
 
Second Life: Ein neuer Internet-Hype?
Linden Lab zählt derzeit durchschnittlich 80.000 Unique User pro Tag, was verglichen mit anderen Portalen noch nicht viel ist. Diese User verbringen aber durchschnittlich drei Stunden ihres realen Tages als Second-Life-Avatare, was sehr viel ist und sich - wenn der Trend anhält - auch im Zeitbudget der Medien-Nutzung bemerkbar machen wird.

Der Second Life-Boom erinnert an die Anfänge des kommerziellen Internet, als viele Unternehmen eher planlos in Internet-Präsenzen und neue Geschäftsmodelle investiert hatten und dann mit dem Platzen der Dot-Com-Bubble das Vertrauen in die Möglichkeiten von Online-Marketing - sehr zu Unrecht - einen Tiefpunkt erreichte.
Second Life ist, realistisch gesehen, nun zumindest einmal die Fortführung der Idee des User Generated Content in einer dreidimensionalen Welt, in der es gilt, Erfahrungen zu sammeln. Als User wie auch als Unternehmen.

Vielleicht irrt ja dann schon ein Raiffeisen-Don Hermano-Avatar in der Second Life-Pampa herum? Hoffentlich findet er dann auch bald seine virtuelle Windmühle.

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