2007-02-19 20:10:34
Second-Life: Schon wieder ein neuer Internet-Hype?
In der virtuellen Parallel-Welt von Second Life tummeln sich Millionen von
Surfern, einige sind dadurch bereits zu echten Millionären geworden. Und
viele Unternehmen testen nun die Möglichkeiten für neue Geschäftsmodelle im 3D-Business
ab.
Spiegel-Coverstory über Second Life
Passend zum Faschingsausklang widmet "Der Spiegel" seine aktuelle Coverstory mit
"Der digitale Maskenball" dem Treiben in der virtuellen Welt von "Second Life".
Und das aus mehr als aktuellem Anlass: Mehr als 4 Millionen User haben sich
bereits ein zweites, virtuelles Leben in Second Life als "Avatar" zugelegt, rund 25.000
digitale Larven tummeln sich im Schnitt gleichzeitig in der Pixelwelt, die 2003
vom Physiker Philip Rosedale gegründet wurde und von seiner Firma Linden Lab
betrieben wird.
Bis Anfang 2006 war Second Life im Internet mit nicht einmal
100.000 Teilnehmern eher ein kleiner Nebenschauplatz, ganz im Schatten von
"World of Warcraft", dem erfolgreichsten Internet-Rollenspiel mit derzeit 8
Millionen Online-Spielern. Seitdem aber bei der Second Life-Registrierung keine
Kreditkartendaten mehr angegeben werden müssen, ist in der Parallel-Welt ein
unbeschreiblicher Boom ausgebrochen.
Laut Linden Lab werden bereits über eine
Million Dollar pro Tag durch Transaktionen in Second Life umgesetzt,
"Land-Lords" werden mit Grundstücks-Spekulationen reich und nach Schätzungen
haben bereits etwa 15.000 Unternehmen in Second Life ihre virtuellen
Firmen-Präsenzen.
BMW, Mercedes, IBM im Second LifeSo sind von den Automobilherstellern u.a. bereits BMW,
Mercedes, Nissan oder Toyota mit 3D-Verkaufsräumen und Testfahrzeugen unterwegs
und IBM hat sich gerade 24 "Second Life-Inseln" zugelegt, um beim Wettrennen um
die Vorherrschaft in der neuen Welt mit dabei zu sein.
Wie funktioniert nun das "Leben" in Second Life?
Die Second Life-Registrierung ist
kostenlos, nach Namens- und Avatar-Auswahl und Download der Second Life-Software
kanns losgehen. Aber nur, wenn man über einen schnellen Internet-Zugang verfügt
und eine halbwegs leistungsfähige Grafikkarte im PC steckt. Ausgerüstet mit 270
LDs (Linden Dollars), die etwa einem US-Dollar entsprechen, kann man sich nun an
die ersten Schritte machen. Man sollte dafür aber viel Zeit haben, denn die
Orientierung im Second Life ist anfangs nicht einfach. Und es gilt, den eigenen
Avatar mal aufzumotzen, denn wer will schon als langweiliger Otto-Normal-Avatar
herumlaufen? Ein gutes Styling kostet dann schon ein paar LDs. Wenn die aber
ausgegangen sind, muss man sich per Kreditkarte mit mehr Avatar-Taschengeld
versorgen oder gleich mal auf einen Premium-Account umsatteln, mit dem man dann
auch Land im Second Life kaufen kann. Das kann dann schon mit rund 2000 US-Dollar zuzüglich
monatlicher Betriebskosten zu Buche schlagen.
Wer sich auf den erworbenen
Latifundien ein hübsches Anwesen konstruieren will, ist gut beraten, dafür einen
fähigen Second-Life-Dienstleister zu Rate zu ziehen.
Marketing im Second Life: Second Life-Agenturen boomen
In der realen Welt boomen deshalb nun Agenturen,
die vor allem Unternehmen den Weg ins neue Cyber-Universum bahnen helfen: die
"Electric Sheep Company" und "Millions of Us" sind hier die grossen US-Anbieter,
aber auch in Österreich wurden unlängst "Second-Life-Agenturen" gegründet.
Abhängig von den Features werden zwischen 20.000 und 400.000 Dollar in die
virtuellen Niederlassungen investiert.
Immobilien-Handel in Second Life
Als Privatperson wird man eher auf
ein fertiges Anwesen zurückgreifen, das von virtuellen Immobilienentwicklern
verkauft wird. Die in Deutschland lebende Chinesin Ailin Gräf brachte es in
Second Life als "Anshe Chung" zu einem Vermögen und 2006 sogar auf das Cover von
Business Week. Früh erwarb Chung/Gräf einige Grundstücke und programmierte
daraus spezielle Wohnviertel für Franzosen, Deutsche oder Japaner. Das Geschäft
lief so gut, dass Gräf im chinesischen Wuhan eine Firma mit 20 Angestellten
gründete, die jetzt ihr virtuelles Business vorantreiben. Mit dem Ziel,
Shopping-Flächen in virtuellen Malls zu verkaufen.
Second Life: Ein neuer Internet-Hype?Linden Lab zählt derzeit durchschnittlich 80.000 Unique
User pro Tag, was verglichen mit anderen Portalen noch nicht viel ist. Diese
User verbringen aber durchschnittlich drei Stunden ihres realen Tages als
Second-Life-Avatare, was sehr viel ist und sich - wenn der Trend anhält - auch im Zeitbudget
der Medien-Nutzung bemerkbar machen wird.
Der Second Life-Boom erinnert an die
Anfänge des kommerziellen Internet, als viele Unternehmen eher planlos in
Internet-Präsenzen und neue Geschäftsmodelle investiert hatten und dann mit dem
Platzen der Dot-Com-Bubble das Vertrauen in die Möglichkeiten von
Online-Marketing - sehr zu Unrecht - einen Tiefpunkt erreichte.
Second Life ist,
realistisch gesehen, nun zumindest einmal die Fortführung der Idee des User
Generated Content in einer dreidimensionalen Welt, in der es gilt, Erfahrungen
zu sammeln. Als User wie auch als Unternehmen.
Vielleicht irrt ja dann schon ein Raiffeisen-Don Hermano-Avatar in der Second
Life-Pampa herum? Hoffentlich findet er dann auch bald seine virtuelle
Windmühle.
Seminar-Tipp:
Web 2.0 & Second Life-Seminar