Social Networks - Jeder kennt jeden über 6 Ecken
Social Networks liegen im Trend. Sie verbinden Freundes-, und
Bekanntenkreise ebenso wie Geschäftspartner und sollen Beziehungen
besser nutzbar machen. Social-Network-Plattformen im Internet
übernehmen dabei eine Vermittlungsfunktion. Der Einsatz von
Netzwerkanalysen ist ein neuer Weg, um viral Marketing zielgerichtet
einzusetzen.
Kontaktpflege im Internet-Zeitalter ist einfach: In kurzer
Zeit kann jeder Internet-User mit wenigen Clicks ein Netzwerk mit
Hunderten von Kontakten aufbauen. Die neuen sozialen Netzwerke
funktionieren nach dem Schneeballsystem: Im typischen Social Network
meldet sich ein Nutzer an, entweder auf eigene Initiative oder auf
Einladung, erstellt sein Profil und lädt dann Freunde, Bekannte oder
Geschäftspartner zur Teilnahme am Netzwerk ein. Wenn die Freunde
wiederum ihre Freunde zur Teilnahme einladen, so werden diese für das
erste Mitglied Bekannte zweiten Grades, und deren Bekannte sind dann
die Kontakte dritten Grades, und so weiter. Auf diese Weise können die
persönlichen Netzwerke schnell in die Hunderte oder Tausende Kontakte
gehen.
Social-Network-Plattformen im Internet
Zu den bekanntesten Internet-Social-Network-Plattformen zählen Orkut,
Friendster, Ryze und LinkedIn. Nach Einschätzung von Experten sind
bereits Millionen Menschen in derartigen Online-Netzwerken miteinander
verbunden. Im deutschsprachigen Raum zählt der Open Business Club zu
den erfolgreichsten Anbietern. Ende 2003 ging OpenBC online und zählt
heute weltweit über 500.000 Mitglieder. Zahlreiche Manager und
Geschäftsleute haben diese Plattformen als professionelles Werkzeug
entdeckt. Sie nutzen sie, um an neue Aufträge zu kommen, informieren
sich über Business-Partner oder finden neue Mitarbeiter. Innerhalb der
Networks genügen wenige Klicks, um über jemanden erste Informationen zu
erhalten und Kontakte zu anderen Teilnehmern zu knüpfen.
Social Networks ersetzen Kleinanzeigen und Vermittlungsportale
Empfehlungen von Freunden, Bekannten oder Geschäftspartnern werden oft
als bevorzugte Art genannt, etwas zu finden – einen Job, eine Wohnung
oder einen Dienstleister bzw. Lieferanten. Entsprechend sind
persönliche Beziehungen für einen hohen Anteil aller Vermittlungen
zuständig. Die gesellschaftlichen Verbindungen in der wirklichen Welt
werden von einer wachsenden Zahl an Social Networks im Internet
repliziert, organisiert, erweitert und auf effiziente Weise nutzbar
gemacht.
Mit ihrer Vermittlungsfunktion zwischen den Hunderttausenden von
Mitgliedern treten die Netzwerke in Konkurrenz zu traditionellen Medien
mit ihren Kleinanzeigen-Märkten in Print und Online, aber auch mit auf
Vermittlungen spezialisierten Portalen wie Monster.com für den
Stellenmarkt oder Match.com für Partnervermittlungen. Kleinanzeigen in
Bereichen wie Dating/Kontakte oder Jobs werden durch Social Networks
ersetzt, ergänzt oder neu gestaltet. Große US-Zeitungsverlage – wie
etwa die Washington Post – haben sich deshalb bereits an
Social-Networks beteiligt, um den rückläufigen Kleinanzeigen-Markt
aufzufangen.
Netzwerkanalyse - Erkenntnisse aus der Wissenschaft
Der Sozialpsychologe Stanley Milgram hatte in den sechziger Jahren in
einem klassischen Experiment herausgefunden, daß jeder Mensch über
durchschnittlich sechs Bekannte mit jedem anderen Menschen bekannt ist.
1998 verwendete der Soziologe Duncan Watts von der Columbia University
die Graphentheorie, um herauszufinden, wie das gesellschaftliche
Universum organisiert sein müsste, wenn es wie eine »Small World« im
Sinne Milgrams funktioniert. In einer Computersimulation gelang es ihm,
sechs Milliarden Punkte – die die Bevölkerung der Erde repräsentieren –
so miteinander zu verbinden, daß man von jedem beliebigen Punkt über
höchstens sechs Zwischenstationen zu jedem beliebigen anderen gelangen
kann. 2003 bestätigte Watts mit einem Experiment die
"Small-World-Hypothese" auch für das Internet, für das der
E-Mail-Verkehr von 60.000 Testpersonen aus 166 Ländern ausgewertet
wurde.
Die wissenschaftliche Forschung zeigt, daß Netzwerk-Muster eine
Mischung aus Ordnung und Chaos sind. Es kommt zum Ausdruck, daß jeder
Mensch starke Bindungen zu einer beschränkten Anzahl von Menschen hat,
die ihrerseits durch ein dichtes Beziehungsgeflecht miteinander
verknüpft sind. Neben diesen weitgehend geschlossenen Gesellschaften
gibt es auf schwachen Bindungen basierende Zufallsbekanntschaften. Erst
diese verwandeln das gesellschaftliche Universum in ein „Global
Village“ und stellen Verbindungen zwischen Menschen her, die wenig oder
nichts miteinander gemein haben.
Soziale Netzwerkanalyse im Marketing
In letzer Zeit finden auch zunehmend die Erkenntnisse aus der
Netzwerkanlyse ihren Einsatz im Marketing. Im analytischen CRM kann die
Netzwerkanalyse zur Kundenbewertung (Customer Network Value) verwendet
werden. Für virales Marketing ist die Kenntnis der Netzwerkstruktur und
der Netzwerkdynamik von Zielgruppen von großer Bedeutung für die
Kreation und den Einsatz von Viral-Marketing-Kampagnen.
In Östereich
befasst sich das Institut FAS-Research mit Netzwerkanalysen und mit der
Anwendung von Erkenntnissen im Marketing. Laut FAS.Research wird die
dynamische Netzwerkanalyse als Weiterentwicklung der Marktforschung
gesehen, da Kunden von ihrem Netzwerk bei Kaufentscheidungen
beeinflusst werden.
Mit Netzwerkanalysen wird erforscht, wie die
Entscheidungsnetzwerke von Kunden aussehen, wie darin Meinungen zu
Produkten gebildet werden und wie sich diese Meinungen verbreiten.
Daraus lässt sich ableiten, welche Zielgruppen man mit Werbemassnahmen
ansprechen muss, um auf indirektem Weg – also über
Viral Marketing
- potenzielle Käufer zu erreichen.
Konkret werden Informationen aus Community-Foren oder Konsumpräferenzen
aus CRM-Datenbanken für den Einsatz im Marketing und für die
Produktentwicklung ausgewertet.
(Pichler,
a3BOOM!, 11/2005)