2006-11-09 18:45:52
Internet-Zeitalter bringt neue Journalisten-Typen hervor
Journalisten zeigen angeblich wenig Vertrauen in das Medium
Internet. Dennoch bezeichnen es mehr als 80 Prozent der Medienvertreter
als ideales Recherchemedium, so das Ergebnis einer aktuellen Studie von
Dr. Bernd Wollmann und Petra Engl-Wurzer am Wiener Uni-Institut für
Publizistik- und Kommunikationswissenschaft.
Die Mehrheit der Journalisten geht zudem davon aus, dass auch die
Branchenkollegen das Web zu Recherchezwecken nutzen, obwohl es als
unglaubwürdig eingeschätzt wird. "Die meisten Medienvertreter sehen
sich selbst in der Gatekeeper-Funktion, also als regulierenden Filter.
Dadurch erklärt sich der Widerspruch zwischen der Meinung über das
Internet und dessen Nutzung", erklärt Bernd Wollmann in einem Interview mit
pressetext-Austria.
Aus dem Studienergebnis lassen sich 3 neue Journalistentypen
ableiten: Typ Eins ist der selbstbewusste Internetskeptiker, der das
Internet als Medium betrachtet, das traditionelle Recherchemethoden
verdrängt und dadurch eine nachhaltige Veränderung des Arbeitens sowie
des Berufsbildes des Journalisten begründet hat. Typ Zwei bezeichnet
den kritischen Internetnutzer. Dieser betone besonders die eigene
Funktion als Filter, erläutert Wollmann. Und Typ Drei, der
Internetaffine Allrounder, kann grundsätzlich als neuer Typ von
Journalisten gesehen werden. Dazu zählen besonders Frauen und junge
Medienvertreter, während Typ Eins von älteren, männlichen Kollegen
dominiert wird.
"Der mit zwei Dritteln derzeit noch vorherrschende Typ Eins wird in
der Zukunft verschwinden, wohingegen sich Typ Drei mittelfristig zur
Mehrheit entwickelt", sagt bernd Wollmann. Auffallend
ist, dass ältere Journalisten in der Einführung und Anwendung des
Internets nur einen weiteren Distributionskanal ohne größere
Auswirkungen auf die eigenen Arbeitsbereiche sehen. Grundsätzlich
schenken Männer der Online-Welt weniger Vertrauen als traditionellen
Medien, während Frauen Print- und Audiovisuelle Medien nicht als
glaubwürdiger als das Internet ansehen. 71 Prozent der befragten
männlichen Journalisten verlassen sich eher auf traditionelle Medien,
bei Frauen sind es hingegen nur 48 Prozent.
Vor dem Hintergrund des Internetzeitalters glauben mittlerweile 87
Prozent aller Befragten, dass die Rolle des Journalisten als Gatekeeper
wichtiger geworden ist. 70 Prozent denken, dass ihre
Agenda-Setting-Funktion zugenommen hat. Viele Journalisten befinden
sich laut Studienergebnis im Zustand einer kognitiven Dissonanz.
Einstellung und Verhalten klaffen auseinander und es zeigt sich, dass
Glaubwürdigkeit nicht der entscheidende Faktor für die
Gesamtbeurteilung des Internet ist. (Quelle: pte)
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