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2006-04-12 10:12:47
Suchmaschinenoptimierung im Journalismus
Englisch-sprachige Onlinemedien greifen immer öfter zu Methoden der
Suchmaschinenoptimierung, denn Top-Positionen bei den Suchergebnissen
bedeuten mehr User-Zugriffe, was wiederum mehr Online-Werbeeinnahmen
bedeutet. Clevere, kreative Titel sind hier nicht gefragt, denn für
Ironie, Humor oder Esprit gibt es keinen Algorhithmus. "This Boring Headline Is Written for Google" - "Man weiß, dass
man auch für die Suchmaschinen schreibt und neigt dazu Titel zu finden,
die direkter sind", meint Lou Ferrara, Onlineredakteur bei Associated
Press, in der New York Times. Gleichzeitig befürchtet er, dass dies auf
Kosten der Kreativität gehe.
In Deutschland und Österreich hingegen sind suchmaschinengerechte
Online-Meldungen im Journalismus noch nicht sehr verbreitet. Onlineredaktionen wie
derStandard.at halten grundsätzlich wenig von der Schreibe für die
Suchmaschine. "Wir schreiben für unsere Leser und nicht für die
Suchmaschine", so wird Gerlinde Hinterleitner, Chefredakteurin von
derStandard.at von Pressetext Austria zitiert.

Suchmaschinen-Optimierungsexperten empfehlen Journalisten zumindest die
wichtigsten Schlüsselwörter der Meldung als Keywords in die ersten zwei
Sätze zu packen. Inwieweit Suchmaschinen wie Google & Co den
Journalismus und seine Regeln beeinflussen werden ist schwer zu sagen.
Sicher ist, dass die Art der Titelgebung von Suchmaschinen auch in
Deutschland und Österreich bestimmt werden wird. "Titel und
Präsentation eines Printartikels sind ein Marketinginstrument, um die
Geschichte an den Leser zu bringen. Warum nicht auch ein neues, an das
Internet angepasstes und zeitgemäßes Marketingmittel verwenden", so
Michael Schudson, Professor an der University of California. Auch Larry
Kramer, Vorsitzender von CBS Digital Media sieht in der
Suchmaschinenoptimierung kein Problem, solange das Urteilsvermögen von
Nachrichten nicht beeinträchtigt wird.
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