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2007-12-03 17:08:41
Studie der TU-Graz fordert die Zerschlagung von Google
Google sollte zerschlagen werden. Zu diesem Schluss ist eine Studie der TU Graz (erstelllt mit Unterstützung des österreichischen Infrastrukturministeriums) gekommen. Studienautor und Informatik-Professor Hermann Maurer von der TU-Graz zufolge gefährdet Google nicht nur unsere Wahrnehmung von Realität sondern auch die bestehenden Wirtschafts- und da vor allem die Kapitalmarktmechanismen. "Jeder, der die Situation betrachtet, muss sich dessen bewusst sein, dass Google in noch nie dagewesener Art Macht angehäuft hat und damit unsere Gesellschaft in Gefahr bringt", wird Prof. Maurer lt. APA zitiert.
Die 187-seitige Studie mit dem imposanten Titel "Report on dangers and opportunities posed by large search engines, particularly Google" gibts hier zum Download: Google-Studie-TU-Graz
Beim ersten Überfliegen vermittelt die Studie m.E. einen etwas wirren Eindruck, sowohl was die Formulierungen als auch was die Inhalte betrifft. Ein Großteil der Studie widmet sich dem beliebten Uni-Thema der Plagiatsforschung oder verläuft sich in Themenbereichen wie "Water is traditionally a resource controlled by the public."
Hoch anzurechen ist den Studien-Autoren, daß sie auch aus der Perspektive des akademischen Elfenbein-Turms erkannt haben, daß es sich beim Geschäftsmodell von Google um Werbung dreht ("Google is influencing economy by the way advertisements are ranked right now: the more a company pays, the more often will the add be visible.").
Aha! Interessante Erkenntnisse, in lustigem Englisch serviert! In den Weihnachtsfeiertagen werde ich hoffentlich Zeit zum intensiveren Studium dieser Studie finden.
Im Ernst: klar haben Prof. Maurer & Co mit vielen ihrer Argumente und Warnungen Recht. Wirklich visionär wären die Erkenntnisse der Studie aber ca. 2003 gewesen. Heute (und schon seit längerer Zeit) greift Google ja schon viele andere Bereiche an und wie heise-online berichtet, warnen Kritiker ja Google vor Übermut.
Lt. APA erwähnt die Maurer-Studie unter anderem, dass heute bereits je nach Umfragen ein Drittel bis 70 Prozent aller Studenten angeben, schon einmal Teile ihrer Arbeiten kopiert zu haben. Nach einer US-Untersuchung hat sich dieser Anteil in fünf Jahren verdoppelt. Google hätte zwar die Möglichkeit, Plagiate zu verfolgen und geistiges Eigentum zu schützen, habe sich aber dazu entschieden dies nicht zu tun - aus starken wirtschaftlichen Gründen, wie Maurer mutmaßt. Auf der anderen Seite warnt der Computer-Experte aber vor allem auch vor der Verzerrung der Realität. In der Studie glauben die Autoren nachgewiesen zu haben, dass Google eng mit Wikipedia zusammenarbeite. Während bei Google für willkürlich gewählte deutschsprachige Suchbegriffe in 70 Prozent der Fälle Wikipedia das erste Suchergebnis darstellte, seien es bei Yahoo nur 50 Prozent gewesen, bei Altavista nur 45 Prozent und bei Microsoft Live nur 21 Prozent. Entspreche die "Google-Wikipedia-Version der Realität" nicht der Wirklichkeit, bestehe die große Gefahr, dass durch das "Googeln" nach Information zu einer verzerrten Wahrnehmung führe, die sich durch das "Google-Copy-Paste-Syndrom", wie es einer der Autoren nennt, rasch vervielfältige.
Gleichzeitig kommt die Untersuchung zu dem Schluss, dass Google beinahe universelles Wissen darüber erreicht habe, was auf der Welt gerade geschieht. Mit diesem Wissen könne das Unternehmen an den Börsen ohne Risiko Aktien kaufen und verkaufen. In manchen Bereichen könne Google mittlerweile gesichert die Entwicklung voraussagen. Spieltheoretisch basiere Handel jedoch auf dem Faktum, dass niemand über komplette Information verfüge und daher manchmal verliere und manchmal gewinne. "Jeder Spieler, der nie verliert gefährdet daher die Grundfeste des Kapitalmarktes", so die Studie. Kein Land könne bestimmte Grundversorgungsbereiche wie Grundschule, Verkehrsinfrastruktur, Medikamentenzulassung oder Ähnliches dem freien Markt überlassen. Man müsse "erkennen, dass auch das Internet eine solche Regulierung benötigt", forderten die Studienautoren. Wenn dies international nicht möglich sei, müssten Kartellverfahren eingeleitet werden, durch die Google in immer noch große und überlebensfähige Firmen aufgeteilt werde - mit klaren Trennwänden dazwischen.
Deutlich spricht sich Prof. Maurer deshalb auch gegen den jüngsten Google-Zukauf DoubleClick aus. Die EU-Kommission hatte erst vor zwei Wochen moniert, die 3,1 Mrd. Dollar (2,1 Mrd. Euro) schwere Übernahme der Online-Anzeigenfirma durch Google könne den Wettbewerb am Markt für Werbe-Vermittlung im Internet behindern. Insbesondere will sie im Genehmigungsverfahren die Frage beleuchten, ob DoubleClick, eigenständig geblieben, zu einem ernsthaften Konkurrenten für Google geworden wäre. Nach einer vertieften Prüfung will die EU-Kommission bis zum 2. April 2008 über die Großübernahme entscheiden.(APA)
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