2007-06-19 13:56:12
Yahoo-Chef Terry Semel tritt ab - Gründer Yang ist wieder Yahoo-Chef
Yahoo zieht nach andauernder Schwäche im Konkurrenzkampf mit Google die Konsequenz: Yahoo-CEO Terry Semel ist nach sechs Jahren zurückgetreten und wird von Yahoo-Mitgründer Jerry Yang (38) abgelöst. Terry Semel, eine ehemaliger Hollywood-Manager, stand unter massivem Beschuss der eigenen Aktionäre und vieler Internetfachleute. Er fand kein Gegenmittel, um den Siegeszug von Google zu stoppen. (s. auch: Yahoo - der schnelle Weg zur Nr.2). Semel, der bisher in Personalunion Konzern- und Verwaltungsratschef war, bleibe Vorsitzender des Verwaltungsrates, teilte Yahoo mit. Die frühere Yahoo-Finanzchefin und kürzlich zur Leiterin der Yahoo-Werbesparte avancierte Susan Decker wurde zur Yahoo-Präsidentin ernannt. Sie galt bisher als mögliche Nachfolgerin von Semel, doch zog der Verwaltungsrat Jerry Yang als neuen Konzernchef vor. Yang betont, dass er nicht auf Interimsbasis die Yahoo-Führung übernommen habe, sondern langfristig.
Spekulationen über Yahoo-Verkauf
Der Internet-Riese Yahoo sieht sich auch immer populäreren Internet-Sites wie MySpace und Facebook gegenüber, die ebenfalls zunehmend in großem Stil Online-Werbeeinnahmen für sich verbuchen. Dazu kamen Verzögerungen bei der Einführung der neuen Suchmaschinen-Werbetechnologie "Panama" und personelle Troubles in der Yahoo-Spitze. Der Machtwechsel hat sofort wieder Spekulationen über einen möglichen Yahoo-Verkauf an Microsoft oder eine andere Kombination mit anderen großen Internet-Mitspielern aufkommen lassen. Yahoo hatte bereits früher mit Microsoft, mit dem weltgrößten Medienkonzern und AOL-Besitzer Time Warner sowie eBay über mögliche Deals gesprochen.
Jerry Yang hatte Yahoo vor 12 Jahren gemeinsam mit David Filo gegründet. Beide sind noch Großaktionäre mit milliardenschweren Aktienpaketen. Yang hatte Yahoo zu einem der am meisten besuchten Web-Portale gemacht. Er hatte sich zwischenzeitlich der Yahoo-Unternehmensstrategie gewidmet und muss jetzt versuchen, Yahoo wieder auf starken Wachstumskurs zu bringen.
Semel hatte Yahoo nach dem Platzen der Internet-Börsenblase zu Beginn des Jahrzehnts auf Vordermann gebracht. Für seine Tätigkeit bei Yahoo hat Semel lt. "New York Times" insgesamt 451 Millionen Dollar in Form von Aktienoptionen und sonstigen Bezügen verdient, womit er einer der am höchsten bezahlten US-Manager sei.
Die Yahoo-Aktien waren 2006 nach langem Höhenflug um 35% gefallen. Nach Bekanntgabe des Führungswechsels legten sie nachbörslich um 3,56 Prozent auf 29,12 Dollar zu. Sie waren damit insgesamt mehr als 38 Milliarden USD wert. Die Google-Aktien haben derzeit einen Gesamtwert von 160,5 Milliarden USD. Yahoo erhöhte den Umsatz im ersten Quartal 2007 nur noch um 7% auf 1,7 Milliarden Dollar. Der Gewinn fiel um elf Prozent auf 142 Millionen Dollar. Google steigerte den Quartalsgewinn hingegen gegenüber dem entsprechenden Vorjahresabschnitt um 69 Prozent auf 1,0 Milliarden Dollar. Der Umsatz erhöhte sich um 63 Prozent auf knapp 3,7 Milliarden USD. Google kam im ersten Quartal nach Branchenschätzungen in den USA bei Internetsuchen auf einen Anteil von 55 Prozent gegenüber 22% für Yahoo und 8% für Microsoft.