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Clickfarmen - Click FraudKlickbetrüger und Klickroboter verzerren den Wettbewerb im Suchmaschinen-Marketing
(VDI
nachrichten, 11. 2. 2005) - Sich reichklicken - kann so einfach sein:
Entweder klickt man sich selber reich oder man ruiniert die
Mitbewerber. Oft bekommt man nämlich eine Provision, wenn über Klickroboter z. B. auf
Werbebanner geklickt wird. Das übernehmen dann so genannte Klickfarmen,
die nichts weiter machen, als per Dauerklicks die Geldquelle sprudeln
zu lassen. Der Trick ist so einfach wie lukrativ: Student W.,
chronisch klamm, aber computerversiert, will sich ein Zubrot verdienen
und programmiert eine Homepage. Nach getaner Arbeit meldet er sich bei
Google als Anzeigenpartner an. Seine Onlineregistrierung wird
akzeptiert, und kurz darauf beginnt die Suchmaschine, auf der Seite des
Studenten Werbung einzublenden. Klickt ein Besucher dann auf diese
Anzeige, bekommt W. eine Provision, etwa 10 Cent. Dieses Geld stammt
natürlich nicht von Google selbst, sondern wird von Unternehmen
bezahlt, die die Suchmaschine mit Werbung beauftragt haben. Jetzt
braucht W. nur noch ein spezielles Programm zu installieren, das die
Anzeigen auf seiner eigenen Homepage regelmäßig tausendfach anklickt. Dieses
Beispiel macht derzeit Schule, die Gründe liegen auf der Hand: Immer
mehr Firmen werben im Internet, die Preise für Suchwort-Anzeigen
steigen, der Betrug wird ständig lukrativer. Ein gesponserter Link zum
Suchbegriff "Krankenversicherung" etwa kostet schon über 4 €.
Bringt der Klickbetrüger einen vermeintlichen Interessenten auf die
Seite, kassiert er davon rund 10 % als Provision. Folge des um sich
greifenden Schwindels. Nicht immer bereichern sich die Betrüger
übrigens selbst. Eine beliebte Variante betrifft die Geschäftswelt. Die
Masche hier: Ein Unternehmen klickt so lange die bezahlten Anzeigen der
Konkurrenz an, bis deren Werbebudget für den jeweiligen Tag erschöpft
ist - gesponserte Links werden über Tageskontingente abgerechnet. Und
schon rückt die eigene Anzeige auf der Ergebnisseite einer Suchmaschine
ganz nach vorne. Unternehmen wie Google speichern zwar bei jedem Aufruf
einer Anzeige die IP-Adresse des Besuchers sowie sein Verhalten. Aber
die Schwindler besorgen sich im digitalen Untergrund besondere Skripte,
die all das austricksen. "Die meisten Täter nutzen
Anonymisierungsdienste und verhalten sich so zufällig wie ein
menschlicher Surfer", so Insider Bahr. Manche Klickroboter füllen sogar
die Kontaktformulare auf den Webseiten mit fiktiven Namen und Adressen
aus. Alternativ können die bösen Jungs auch die Lowtech-Variante
wählen. Einem Bericht der "Times of India"zufolge verdingen sich
nämlich etliche Hausfrauen und Schüler auf dem Subkontinent als
professioneller Klicker. Sie steuern gezielt Werbebanner an; die
Adressen bekommen sie von speziellen Dienstleistern zugeschickt. Ein
Zubrot von 100 $ bis 200 $ Dollar pro Monat verdienen die Klicker
angeblich. Ein mögliches Mittel gegen die Phantomklicks wäre,
Provisionen nur noch abzurechnen, wenn der Surfer auch tatsächlich beim
werbenden Unternehmen etwas bestellt. Doch solche Pay-per-Sale-Modelle
haben ebenfalls Grenzen. "Manche Firmen möchten auch einfach nur ihren
Namen bekannt machen", wendet Experte Bahr ein. Ob Klickroboter-Softwareprogramm
oder klickender Inder - die Elefanten im Anzeigengeschäft zittern
derzeit vor dem Angriff der Mäuse. "Dagegen muss ganz, ganz schnell
etwas getan werden", gab ein US-Vorstand von Google unlängst vor
Analysten zu. Das kalifornische Unternehmen macht über 90 % seines
Umsatzes mit bezahlten Anzeigen. Greift der Klickbetrug weiter um sich,
geriete das Geschäftsmodell des Milliardenkonzerns ins Wanken. Google
muss also tun, was es immer tut: schnell eine Antwort finden.
Link zum Thema: Clickfraud-Index
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