Weblogs schlagen WellenBlogs werden von 32 Millionen Amerikanern gelesen und gewinnen auch bei uns zunehmend an Verbreitung.
Welche Bedeutung haben Blogs als Kommunikations- und PR-Tool?
Was sind Weblogs? Tagebücher im Internet?
Anfangs als Online-Tagebücher belächelt, zeigen Weblogs inzwischen ihre
Stärken. Der Begriff „Weblog“ setzt sich aus den „Web“ und „Log“
zusammmen, ist also mit dem Begriff „Logbuch“ verwandt und wird auch
kurz als "Blog" bezeichnet. In Blogs werden chronologisch Texte
publiziert, die in den meisten Fällen eher privater Natur sind. Ein
Weblog ist so einfach anzulegen wie ein Gratis-E-Mail-Account, ohne
Programmierkenntnisse und meist kostenlos. Mit Services wie Blogger.com
oder Twoday.net ist man in kurzer Zeit online und kann damit beginnen,
seine Gedanken, Meinungen, Erlebnisse im WWW zu publizieren. Auch die
Telekom Austria hat den Trend aufgegriffen und ebnet ihren Kunden seit
Mitte Jänner auf aon.at mit "Weblife" den Weg in die Welt der Blogs.
In den USA haben Weblogs Ende der neunziger Jahre ihren Weg in den
Mainstream und in die Meinungsbildung genommen. In den Vorwahlen zum
letzten US-Präsidentschaftswahlkampf konnte der demokratische Kandidat
Howard Dean mit seinem "Blog for America" Wahlkampfspenden in
Millionenhöhe lukrieren. Die CEO´s der Top-500-Unternehmen, wie etwa
Bob Lutz von General Motors setzen ihr "Corporate-Blog" als PR- und
Corporate Communications-Tool ein. Laut einer Studie des Pew Internet
& American Life Projects sind Blogs in den USA als
Informationsquelle längst Teil des alltäglichen Medienkonsums, 32
Millionen Amerikaner sollen bereits regelmäßig Weblogs lesen.
Jean-Remy von Matt: "Klowände des Internets"
"Du bist Deutschland", die bisher größte nicht-kommerzielle
Werbekampagne der Geschichte, sollte Deutschland aus der Krise helfen.
In den vergangenen Monaten hat diese Kampagne zu heftigen Diskussionen
in der Bloggerszene geführt und wurde in zahlreichen Weblogs heftigst
kritisiert. Jean-Remy von Matt - mit seiner Agentur Jung von Matt für
die Kampagne verantwortlich - ließ sich nun unlängst dazu hinreißen,
Weblogs in einem interen E-Mail an seine Mitarbeiter als "Klowände des
Internets" zu bezeichnen. Weiters bezeichnete er Blogs als "neuen
Tiefststand der Meinungsbildung". Ein E-Mail, das nicht intern blieb,
sondern wiederum seinen Weg in die Blogs nahm. Und von dort in die
Medien von Handelsblatt bis Spiegel (und so jetzt auch in a3boom). Ein
Entschuldigungs-Statement des Werbers konnte die Wogen kaum glätten,
die Medien sprechen nun von "angekratztem Image" und "PR-GAU". Die
Weblog-Suchmaschine Technorati listet seitdem „Du bist Deutschland“ als
meistgesuchte Worte – noch nie zuvor hat ein deutscher Begriff das
geschafft. Und längst ist die Geschichte auch in den USA publik. „Man
musste schon immer aufpassen, was man in E-Mails schreibt. Jetzt aber
können Äußerungen auch schnell und leicht publiziert werden“, wird der
Weblog-Experte Klaus Eck im Handelblatt zitiert. Er warnt: „Alles, was
digital verfasst wird, kann irgendwann ans Tageslicht kommen“ – dank
privater Weblog-Autoren, die emotionaler und schneller reagieren als
klassische Medien.
Die Blogosphäre
Viele Blogger sehen ihren Blog als Teil der vernetzten "Blogosphäre",
also der Gesamtheit aller Blogs im Internet. Wer einen eigenen Blog
betreibt, liest in der Regel auch die Blogs anderer Autoren, setzt
Links zu ihnen und tauscht sich in Kommentaren mit anderen Bloggern
aus. Durch ihren hohen Vernetzungsgrad werden die Blogs auch von
Suchmaschinen gelistet. Je beliebter deren Inhalte sind, desto mehr
Links ziehen sie in der Regel auf sich. Durch die vielen Verweise
der Blogs aufeinander können sich in manchen Fällen Meldungen in der
Blogosphäre schnell verbreiten und so bis in die Massenmedien
fortpflanzen. Die technischen und finanziellen Hürden beim Anlegen
eines Weblogs sind gering. In kurzer Zeit kann jeder mit den "Social
Software" genannten Blogging-Services sofort einen Blog erstellen und
mit seinen persönlichen Beiträgen füllen. Auf diese Weise wird der
Blogger zum Publizisten und tritt mit seinem individuellen Angebot
direkt in die Öffentlichkeit. Blogs erlauben es, eigene Inhalte
in bisher ungekannter Weise an andere zu vermitteln - und das weltweit.
Zwei von fünf PR-Managern wollen Weblogs einsetzen
Wie sieht es mit dem Einsatz von Blogs als PR-Tool aus? Die Studie
EuroBlog 2006, die erste europaweite Umfrage zur Nutzung von Weblogs in
Public Relations, zeigt eine klare Diskrepanz zwischen
überzeugten Weblog-Nutzern und Skeptikern: Ein Drittel der
Kommunikationsverantwortlichen betreibt ein Weblog oder verfasst
regelmäßig Beiträge. Von einem Viertel aller Befragten wird das neue
Medium jedoch vollständig ignoriert. Immerhin 42 Prozent der
PR-Manager, die derzeit noch kein Blog betreiben, beabsichtigen dies
innerhalb der nächsten 12 Monate zu tun. Die Nutzung von Weblogs wird
derzeit vor allem dadurch beschränkt, dass man nicht in der Lage ist,
die Kommunikationsinhalte zu kontrollieren, die Blogs in
dieKommunikationsstrategie zu integrieren und geeignete Inhalte zu
entwickeln. Studienleiter Philip Young: „Viele glauben, dass das
Internet und Social Software dazu führen, dass Public Relations sich
von der einseitigen Informationsverbreitung zur Dialogorientierung
weiterentwickelt. Unsere Studie belegt jedoch eine beunruhigende Kluft
zwischen jenen, die die Herausforderungen und Chancen begeistert
aufgreifen und denjenigen, die sich der Bedeutung von Social Software
erst noch bewusst werden müssen."
Was kommt nach Blogs?
Blogs sind heute bei uns noch nicht einmal Mainstream und dennoch sind
bereits jetzt schon Podcasting und Videocasting der neue Hype: also
Blogs mit Audio- oder Video-Content. Was mit Musik-Downloads für den
Apple iPod begonnen hat, wird als "Podvertising" nun von Unternehmen
genutzt, wie das Erfolgsbeispiel des BMW-Podcasts zeigt. (cp/13.1.2005)
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